Eine "Vergessener Warenkorb"-Kampagne für Dienstleister einrichten
Einleitung: Das Problem und das Ziel
Jeder Online-Shop kennt das Problem des "vergessenen Warenkorbs": Ein Kunde legt Produkte in den Korb, bricht den Kauf aber im letzten Moment ab. Doch dieses Phänomen gibt es auch bei Dienstleistern, es ist nur unsichtbar. Ein potenzieller Kunde besucht die Seite Ihrer wichtigsten Dienstleistung, liest sich alles durch, ist kurz davor, das Kontaktformular auszufüllen – und wird dann abgelenkt. Das Interesse war da, aber die Anfrage bleibt aus. Dieser potenzielle Umsatz ist verloren.
Dieses Tutorial zeigt Ihnen, wie Sie diese "vergessenen Interessen" systematisch identifizieren und mit einer eleganten, automatisierten Kampagne nachfassen. Wir bauen eine komplette Automatisierung, die erkennt, wenn jemand starkes Interesse an einer Dienstleistung zeigt, aber keine Anfrage sendet, und ihn mit einer freundlichen E-Mail daran erinnert.
Das "Warum": Der direkte geschäftliche Nutzen
Eine solche Kampagne ist ein direkter Hebel zur Umsatzsteigerung:
Verlorene Leads zurückgewinnen: Sie holen aktiv Interessenten zurück, die Sie ansonsten komplett verloren hätten.
Hürden identifizieren: Die Reaktion auf Ihre Follow-Up-Mail kann wertvolle Einblicke liefern. Vielleicht war der Preis unklar oder eine technische Frage hinderte den Abschluss.
Professionelle Hartnäckigkeit: Sie zeigen proaktiv Interesse am Kunden, ohne aufdringlich zu sein. Das wirkt professionell und serviceorientiert.
Vollautomatischer Prozess: Einmal eingerichtet, arbeitet diese Kampagne rund um die Uhr für Sie und generiert zusätzliche Anfragen, ohne dass Sie einen Finger rühren müssen.
In 4 Schritten zur automatisierten Follow-Up-Kampagne
Für dieses Tutorial nehmen wir an, Sie bieten eine Dienstleistung an, die auf der Seite ihredomain.de/beratung beschrieben wird und die Anfrage läuft über Ihr "Beratungsformular".
Schritt 1: Das Segment der "Zögerer" erstellen Zuerst müssen wir die Gruppe von Kontakten identifizieren, die zwar Interesse gezeigt, aber nicht gehandelt haben.
Erstellen Sie ein neues Segment und nennen Sie es "Interesse an Beratung (ohne Anfrage)".
Fügen Sie die folgenden zwei Filter hinzu:
Besuchte URL|enthält|ihredomain.de/beratungUND
Formular abgeschickt|ungleich|Beratungsformular
Das Ergebnis: Dieses Segment enthält nun alle bekannten Kontakte, die die Beratungsseite besucht, aber nicht das dazugehörige Formular ausgefüllt haben.
Schritt 2: Die Kampagne aufsetzen Jetzt erstellen wir die eigentliche Automatisierung.
Gehen Sie zu "Kampagnen", klicken Sie auf "Neu" und geben Sie der Kampagne einen Namen, z.B. "Follow-Up Beratung".
Wählen Sie als "Kontaktquelle" das soeben erstellte Segment "Interesse an Beratung (ohne Anfrage)".
Schritt 3: Den Ablauf definieren (Der "Flow") Nun bauen wir den Ablauf im visuellen Kampagnen-Builder.
Aktion "Warten": Wir wollen nicht sofort eine E-Mail senden, das wäre aufdringlich. Ziehen Sie eine Aktion vom Typ "Entscheidung" auf die Arbeitsfläche und wählen Sie "Relative Zeitdauer". Stellen Sie hier z.B.
1 Tagein. Der Kontakt wird also erst 24 Stunden nach dem Besuch der Seite aktiv.Aktion "E-Mail senden": Verbinden Sie den Warte-Schritt mit der Aktion "E-Mail senden". Wählen Sie eine E-Mail aus, die Sie zuvor erstellt haben. Der Inhalt sollte hilfsbereit sein, nicht vorwurfsvoll.
Betreff-Beispiel:
Fragen zu unserer Beratung?Text-Beispiel: "Hallo {contactfield=firstname}, ich habe gesehen, dass Sie sich gestern unsere Beratungsleistung angesehen haben. Sind vielleicht Fragen offengeblieben, die ich Ihnen beantworten kann? Manchmal geht im Eifer des Gefechts etwas unter. Melden Sie sich gern!"
Entscheidung "E-Mail geöffnet?": Fügen Sie nach der E-Mail eine Entscheidung vom Typ "E-Mail geöffnet?" ein. Das teilt den Weg in einen "Ja"- und einen "Nein"-Pfad.
"Ja"-Pfad: Der Kontakt hat reagiert. Hier könnten Sie z.B. die Aktion "Kontaktpunkte anpassen" (+10 Punkte) hinzufügen und die Kampagne für diesen Kontakt beenden.
"Nein"-Pfad: Der Kontakt hat nicht reagiert. Fügen Sie hier einen weiteren "Warte"-Schritt (z.B.
3 Tage) und eine zweite, andere Follow-Up-E-Mail hinzu (z.B. mit einer passenden Fallstudie).
Schritt 4: Die Kampagne aktivieren Speichern und publizieren Sie Ihre Kampagne. Von nun an wird jeder Kontakt, der die Kriterien aus Schritt 1 erfüllt, automatisch in diesen Prozess aufgenommen.
Praxis-Tipp für Fortgeschrittene
Optimieren Sie Ihr Quell-Segment. Fügen Sie einen weiteren Filter hinzu: Punkte | größer als | 20. Damit stellen Sie sicher, dass die Kampagne nur bei Kontakten anspringt, die bereits ein gewisses Grundinteresse gezeigt haben, und nicht bei jemandem, der nur zufällig einmal auf der Seite gelandet ist. Das erhöht die Relevanz Ihrer Follow-Ups.
Fazit & Ihr nächster Schritt
Sie haben eine proaktive Vertriebsmaschine gebaut. Diese Kampagne arbeitet im Verborgenen, um potenzielle Kunden zurückzugewinnen, die sonst durchs Raster gefallen wären. Es ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Marketing-Automatisierung nicht nur Arbeit abnimmt, sondern aktiv dabei hilft, den Umsatz zu steigern, indem sie die Lücken in der Customer Journey schließt.